Nachdem die Beine am Morgen noch etwas skeptisch waren und auch der Hintern die gestrigen Strapazen noch deutlich spüren liess, fanden wir überraschend schnell unseren Rhythmus. Irgendwie hatten wir heute den Flow gefunden und kamen deutlich schneller voran als erwartet. Die Stimmung war top, die Beine machten mit und so verflogen die Kilometer fast wie von selbst. Dazu lief auf der Strecke der passende Soundtrack, allen voran Mr. Brightside, der heute definitiv mehr als einmal für zusätzliche Motivation gesorgt hat. Mit guter Musik in den Ohren und guter Laune im Gepäck rollte es sich gleich noch einmal leichter.
Die heutige Etappe führte uns entlang des wunderschönen Walensees. Zwischen steilen Felswänden, glasklarem Wasser und beeindruckenden Bergkulissen mussten wir immer wieder kurz den Blick von der Strecke lösen, um die Aussicht zu geniessen. Solche Momente erinnern einen daran, warum man sich die vielen Kilometer überhaupt antut.
Ganz ohne Geschichten für den Abend wäre es aber keine richtige Bike Tour. Bereits im Laufe des Tages kam es zu einem kleinen Crash. Zum Glück blieb es bei ein paar Schürfwunden und kleineren Verletzungen, die direkt versorgt werden konnten. Für die Beteiligten war schnell klar: Aufstehen, kurz durchatmen und weiter geht’s. Weniger glimpflich kam allerdings eines der Fahrräder davon. Der Schaltritzel hatte nach dem Sturz eine neue Form angenommen und war so verbogen, dass an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken war. Ehrlich gesagt sah er danach ungefähr so gerade aus wie manche aus unserem Kurs am ersten Abend. 😁
Zum Glück war unser Begleitteam sofort zur Stelle. Das verletzte Bike wurde eingesammelt und gegen ein Ersatzrad ausgetauscht, sodass die Tour nach einer kurzen Unterbrechung direkt weitergehen konnte. Während wir noch über den verbogenen Schaltritzel lachten, war das Problem praktisch schon wieder gelöst. Genau solche Momente zeigen, wie froh wir über unsere Unterstützung im Hintergrund sind.
Als wäre das nicht schon genug Action für einen Tag gewesen, sorgte wenig später auch noch ein spontanes Nasenbluten für zusätzliche Abwechslung im Touralltag. Zum Glück nichts Ernstes, aber definitiv ein weiterer Punkt auf der heutigen Ereignisliste.
Als wir dachten, das Tagespensum an Zwischenfällen bereits erfüllt zu haben, meldete sich wenig später auch noch ein Reifen mit einem deutlichen Zischen zu Wort. Platten Nummer 2. Zum Glück nichts Dramatisches. Also Werkzeug raus, Rad umdrehen, Schlauch wechseln und weiter geht’s. Nach kurzer Schrauberpause waren wir wieder unterwegs und konnten dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten: Kilometer sammeln.
Natürlich wäre ein solcher Tag nicht komplett ohne weitere technische Meisterleistungen. Zwischendurch verabschiedete sich noch eine Kette von ihrem angestammten Arbeitsplatz und beschloss, lieber die Landschaft aus der Nähe anzuschauen. Nach einer kurzen Intervention konnte sie aber davon überzeugt werden, wieder ihren eigentlichen Job zu erledigen.
Für den wohl spannendsten Moment des Tages sorgte allerdings kein Fahrrad. Irgendwann stellten wir fest, dass plötzlich ein Schüler fehlte. Für einen kurzen Moment fühlte sich die Situation an wie eine Mischung aus Schnitzeljagd und Suchaktion. Glücklicherweise stellte sich schnell heraus, dass niemand verloren gegangen war. Der Schüler war nach einer Pause unbemerkt hinter die Gruppe zurückgefallen, was zunächst niemand mitbekommen hatte. Nachdem der Irrtum bemerkt worden war, fanden alle schnell wieder zusammen und die Tourleitung konnte erleichtert aufatmen und die Gruppe weiterrollen lassen.
Abgesehen von diesen kleinen Unterbrüchen war es ein richtig starker Tag auf dem Bike. Wir haben viele Kilometer gemacht, ordentlich Strecke zurückgelegt und konnten unser Tempo über weite Teile des Tages hochhalten. Die Landschaft wechselte ständig und sorgte immer wieder für Momente, in denen man kurz innehielt und die Aussicht genoss, zumindest bevor der Blick wieder auf den nächsten Anstieg oder die nächsten Kilometer fiel.
Den Abend verbringen wir nun am Flumserberg, wo wir heute übernachten. Nach den vielen Kilometern, dem Crash, dem Platten, der ausgerissenen Kette, dem kurzzeitig verschwundenen Schüler und einigen kleinen Adrenalinschüben freuen wir uns vor allem auf etwas Erholung, gutes Essen und eine ruhige Nacht. Morgen wartet bereits die nächste Etappe auf uns, und hoffentlich bleiben dann sowohl die Fahrer als auch die Schaltritzel etwas gerader.
Tourdaten Tag 2
•Distanz: 43,5 km
• Höhenmeter: 190hm
• Fahrzeit: 3Std. 20Min.
• Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,2 km/h



