Tag 1:Schweiß, Schmerz und Schweizer Bauern
Heute stand eine entspannte Fahrradtour auf dem Programm. Zumindest dachten wir das. Laut Plan sollten es nur 34 Kilometer mit 1200 Höhenmetern werden. In der Realität bedeutete das: Fahrrad schieben, keuchen, leiden und sich fragen, ob man nicht doch lieber im Seminarraum geblieben wäre.
Das Abenteuer begann vielversprechend: Bereits kurz nach dem Start hatten wir den ersten Platten. Kaum war dieser behoben, verabschiedete sich auch noch eine Fahrradkette. Die Fahrräder schienen genauso motiviert zu sein wie wir.
Die Strecke führte uns durch wunderschöne Landschaften mit unzähligen Kühen. Wirklich unzähligen. Und wo Kühe sind, ist bekanntlich auch Kuhscheiße. Sehr viel Kuhscheiße. Teilweise bestand der Weg gefühlt zu 50 % aus Natur und zu 50 % aus biologischen Hindernissen.
Als wäre das nicht genug, waren einige Anstiege so steil, dass wir unsere Fahrräder eher spazieren führten als fuhren. Von einer Radtour konnte zeitweise keine Rede mehr sein – wir waren auf einer Wanderung mit zusätzlichem Gepäck auf zwei Rädern.
Ein besonderes Highlight war die Begegnung mit einem älteren Schweizer Bauern. Dieser machte uns auf seine ganz eigene Art deutlich, dass er uns Deutsche lieber wieder auf der anderen Seite der Grenze sehen würde. Die diplomatischen Beziehungen zwischen unserem Seminarkurs und der Schweizer Landwirtschaft bleiben also ausbaufähig.
Doch nicht nur die Strecke hatte es in sich. Einer unserer Mitschüler schaffte das Kunststück, mit seinem Fahrrad einen Baum zu „fällen“. Der Baum blieb zwar letztendlich stehen, aber die Begegnung endete trotzdem mit einem unsanften Abgang. Offenbar reichte das noch nicht, denn später legte derselbe Schüler gleich noch einen weiteren Sturz nach. Einsatz und Hingabe kann man ihm jedenfalls nicht absprechen.
Zwischendurch stand außerdem noch ein spontaner Bergsprint zum Gipfelkreuz auf dem Programm. Nach all den Höhenmetern und Strapazen war die Begeisterung zunächst überschaubar. Trotzdem kämpften sich einige tapfer den Berg hinauf und wurden oben mit einer großartigen Aussicht belohnt – und dem Gefühl, endgültig jede Energiequelle des Körpers aufgebraucht zu haben.
Auch unser Lehrer sorgte für zusätzliche Spannung, als er einen unfreiwilligen Abgang vom Fahrrad hinlegte. Zum Glück blieb es bei Schreck, Schrammen und einer guten Geschichte für den Abend.
Am Ende des Tages bestanden wir aus Schweiß, Staub, Muskelkater und einer Prise Blut. Trotzdem erreichten wir unser Ziel – erschöpft, aber stolz. Die 34 Kilometer fühlten sich zwar eher wie 340 an, doch wir haben durchgehalten.
Fazit des Tages:
* 34 Kilometer gefahren
* 1200 Höhenmeter überwunden
* 1 Lehrer abgestürzt
* 1 Platten
* 1 Kettenriss
* 1 Schüler gegen einen Baum gefahren
* mehrere spektakuläre Stürze
* 1 spontaner Bergsprint zum Gipfelkreuz
* Unzählige Kühe
* Noch mehr Kuhscheiße
* Motivation: schwankend
* Erinnerungen: unbezahlbar
Wir freuen uns schon auf morgen. Hoffentlich freuen sich unsere Fahrräder auch.






